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Therapiemöglichkeiten
 

Es gibt derzeit in der Behandlung des Lipödems zwei grundsätzliche Therapieansätze.


Die konservative Therapie
 

Ziel der konservativen Therapie ist die Entstauung der Extremitäten von überschüssiger Lymphflüssigkeit. Durch Kompression der Arme und Beine, Bewegungstherapie sowie die sogenannte Lymphdrainage kann eine leichte Umfangsreduzierung und häufig eine deutliche Schmerzreduzierung erzielt werden.

Komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE)

Die konservative Therapie sollte direkt nach der fundierten Diagnosestellung möglichst von allen Patientinnen in Anspruch genommen werden, um Beschwerden zu lindern und eine Verschlimmerung zu vermeiden.

Sie beginnt meist mit der komplexen physikalischen Entstauung  (KPE) des Lymphsystems. Dies beinhaltet eine tägliche manuelle Lymphdrainage mit anschließender Wicklung, also einer Bandagierung  durch einen speziell geschulten Therapeuten. Die manuelle Lymphdrainage ist eine speziell entwickelte Massageart, um die Transportkapazität des Lymphgefäßsystems zu steigern und damit den Abtransport des Ödems zu ermöglichen. Sie ist besonders wichtig, wenn es sich um eine Kombination aus Lip- und Lymphödem handelt. Bei der anschließenden Wicklung werden Kurz- und Langzugbandagen verwendet, Watte dient zum Unterfüttern (gegen Druckschmerz) und Schaumstoff zur besseren Verteilung des Drucks der betroffenen Extremitäten.

Im Gegensatz zu einem Kompressionsstrumpf kann die Bandagierung auch über Nacht belassen werden, falls dies aus therapeutischen Gründen notwendig ist.

Die KPE wird normalerweise im Rahmen einer Rehamaßnahme stationär in einer Lymphklinik durchgeführt. Begleitend dazu wird meistens noch ein Sportprogramm angeboten und bei Bedarf (z.B. bei anhängiger Adipositas) eine Ernährungsberatung. Diese Kur dauert in der Regel 3 Wochen.
 


Anschließend wird die manuelle Lymphdrainage in einer Physiotherapiepraxis Ihrer Wahl 1-2 Mal pro Woche weitergeführt. Im Idealfall wird die manuelle Lymphdrainage (MLD) mit 2 Behandlungen pro Woche verordnet. Parallel dazu wird eine Kompressionsversorgung maßgefertigt. Der behandelnde Arzt rezeptiert die Versorgung, die er für Sie für angemessen hält. Im Gegensatz zu der rundgestrickten Kompressionsbestrumpfung, die bei Venenleiden verordntet wird, sollte bei Lip- und Lymphödemen eine Flachstrick-Kompression verodnet werden. Die Versorgung wird immer nach Ihren genauen Körpermaßen maßgefertigt und hat fertigungsbedingt  eine deutlich sichtbare Naht an der Beinrückseite. Es gibt durchgängige Strumpfhosen oder Kombinationen von Strümpfen und Hosen. Für die Arme können Armstrümpfe oder  Boleros rezeptiert werden.

Im Sanitätshaus Ihrer Wahl werden Ihre Maße genommen und die Maßanfertigung beauftragt. Eine gute Versorgung sollte ihren täglichen Bedürfnissen angepasst sein und eine wirklich gute Passform haben. Es sollte Ihnen nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung problemlos möglich sein, die Versorgung von morgens bis abends zu tragen.

Bei korrekter Anfertigung muss der Kompressionsdruck von Hand oder Fuß her gesehen zum Herzen hin schwächer werden, da es sonst zu einem noch stärkeren Hinausdrücken des Ödems an das Extremitätenende kommt. Das konsequente Tragen von medizinischen Kompressionstrümpfen nach Maß vermindert die Schwellungen und soll vor allem eine neuerliche Zunahme des Ödems verhindern.


Der Einsatz sogenannter entwässernder Mittel (Diuretika) ist in aller Regel bei Lipödem-Betroffenen kontraindiziert, also defintiv nicht zu empfehlen, weil diese Mittel langfristig das Gewebe verhärten.


Als geeignete Sportarten haben sich Schwimmen, Aquajogging, Spazierengehen, Langlaufen, Walking oder Nordic Walking herauskristallisiert. Bei allen Wassersportarten hilft der höhere Druck des Wassers gegenüber jenem der Luft, so dass manche Betroffene den Wassersport sogar als wirksamer als die manuelle Lymphdrainage empfinden. Abgesehen vom Wassersport sollte jeglicher Sport unbedingt mit der Kompressionsbekleidung ausgeführt werden, da es ansonsten sogar zu einer Ödemverschlimmerung kommen kann. Die Flachstrickversorgung ist unter Bewegung besonders effektiv und wirksam, so dass es beim Sport zu einem zusätzlichen Entstauungs- und Massageeffekt kommt.


Eine Ergänzung zur manuellen Lymphdrainage stellt im Übrigen die sogenannte "Apparative intermittierende Kompressionstherapie' (AIK; mechanische Pumpen) dar, diese jedoch nur mit vorheriger und nachgehender Öffnung der Lymphbahnen durch manuelle Lymphdrainage, die in dem Fall auch selbst durchgeführt werden kann. Produktbezeichnungen sind z.B. Lymphamat oder Lymphapress (u.a.). Ein Arzt kann die Verordnung eines derartigen Geräts zum Heimgebrauch ausstellen. Fragen dazu werden Ihnen sicherlich gerne im Sanitätshaus beantwortet.


Die operative Therapie

Ziel der operativen Therapie ist die Verringerung des überschüssigen Fettgewebes an Beinen und Armen mittels Liposuktion (Fettabsaugung), wodurch im Gewebe erheblich weniger Lymphflüssigkeit gebildet wird. Die konservative Therapie ist anschließend entweder gar nicht mehr oder nur noch in reduziertem Umfang notwendig. Die Lebensbehandlungskosten und -zeiten können dadurch entscheidend reduziert werden. Die Bein- und Armform kann in vielen Fällen weitgehend normalisiert werden.

Die konserative Therapie sollte mindestens 6-12 Monate durchgeführt werden, bevor man mit dem Gedanken spielt, eine Kostenübernahme bei der Krankenkasse für die "Liposuktion beim Lipödem" zu beantragen.


Die gerade angesprochene "Liposuktion beim Lipödem" ist eine Fettabsaugung in rein medizinischem Sinn, hat also rein gar nichts mit einer gewöhnlichen Fettabsaugung, sprich Schönheitsoperation, zu tun. Auf diese Behandlungsart gehen wir hier konkreter ein.